Google leert Keksdose
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Google leert Keksdose

Das von langer Hand geplante Abschalten der Drittanbietercookies beginnt für ein Prozent aller Chrome-Nutzer. Damit könnte ein Großteil des Internets vor einem Umbruch stehen.

Ein Prozent aller Nutzer des Google-Browsers Chrome hat im Laufe des Donnerstags eine besondere Benachrichtigung im Browserfenster erhalten mit dem Inhalt, dass die entsprechenden Internetsurfer als Erste auf der Welt in den Genuss der neuen „Tracking Protection“ – sprich: eines Nachverfolgungsschutzes – kommen. Damit ist eine kleine Revolution im Netz verbunden. Sie läutet die erste Phase der vollständigen Abschaltung von Drittanbietercookies ein. Cookies sind kleine Dateien, die angesurfte Websites auf PCs oder Smartphones hinterlegen, um Anmeldedaten oder Warenkörbe zu speichern. Werbetreibende verwenden sie, um die Interessen von Nutzern nachzuverfolgen und ihnen so zielgerichtet Werbung auszuspielen.

 

Mit der neuen Funktion des Chrome-Browsers können Onliner selbst bestimmen, ob ihre Aktivitäten über mehrere Internetseiten hinweg verfolgt werden. Die Seiten haben nun keinen Zugriff mehr auf die Drittanbietercookies der Nutzer. Sollte eine Internetseite durch das Abschalten der Cookies nicht mehr funktionieren, lässt sich der Nachverfolgungsschutz mit einem Klick auf das Augensymbol in der Browserleiste ausschalten.

Google hatte schon vor Längerem angekündigt, zum besseren Schutz der Privatsphäre Drittanbietercookies aus seinem Browser und aus dem Betriebssystem Android zu verbannen. Über das Auslesen der Cookies ist es nämlich möglich, ein relativ detailliertes Personenprofil zu erstellen und Menschen womöglich auch persönlich zu identifizieren. Im zweiten Halbjahr 2024 sollen Drittanbietercookies in Chrome für alle Nutzer abgeschaltet werden.

 

Werber fürchten Monopol

Die Werbebranche befürchtet durch den Regimewechsel große Einbrüche ihrer Einnahmen, da das neue interessenbasierte Verfolgungssystem von Google eine weniger zielgerichtete Ausspielung von Werbung ermöglicht. Schon seit einigen Monaten ist das System für die Öffentlichkeit zugänglich, und Werbetreibende konnten sich auf den Wechsel einstellen.

Die Werber bezichtigen Google, mit der Abschaffung der Drittanbietercookies die Stellung seiner eigenen Suchmaschinenwerbung zu verbessern. Würde durch geringere Treffsicherheit die Attraktivität von Webseitenwerbung abnehmen, rücken andere Werbeplätze in den Mittelpunkt, beispielsweise die ersten Plätze in Suchmaschinenergebnissen, die meist gesponsert sind. Der Marktanteil der Google-Suche beträgt dabei schon annähernd 92 Prozent. Die Suche ist als Werbeplatz begehrt, da sie direkt mit Interessen der Nutzer verknüpft werden kann.

 

Daten aus erster Hand werden wertvoller

Ein Unternehmen, das einen großen Schatz an Daten aus erster Hand nutzen kann, um Werbung passgenau auszuspielen, dürfte mehr Werbegelder auf sich ziehen, falls Daten aus dritter Hand nicht mehr genutzt werden dürfen. Google ist mit seiner Suchmaschine ein solches Unternehmen.

Aber auch andere Unternehmen schicken sich an, eigene Daten stärker zu nutzen. Der Marktplatz von Amazon vermarktet die ersten Ergebnisse in seiner Suche ebenso. Auch soziale Medien wie Facebook, Instagram oder Tiktok können ihren Datenschatz nutzen. Kleinere Internetseiten könnten durch ein geringeres Aufkommen an Nutzern und damit Daten stärker unter dem Ende der Drittanbietercookies leiden.